Begriffsklärung – Was ist Fatigue?

Fatigue ist seit dem Corona Virusausbruch in aller Munde. Die Veröffentlichungen mit neuesten Zahlen zum hohen Anteil an Fatigue Symptomen (20-60% je nach Studie) beim sogenannten LongCovid Syndrom. LongCovid steht für bleibende Symptome über den eigentlichen Erkrankungszeitraum hinaus, auch bei Personen, die einen milden Verlauf hatten.

Bericht im Ärzteblatt zum Fatigueerleben bei Long-Covid

NDR: Long-Covid. Corona Langzeitfolgen werden unterschätzt!

BR Wissen: Long-Covid. Wenn Fatigue dazukommt

Focus Artikel: Es trifft Menschen unter 60, nicht die Älteren!

Hier wird die Ähnlichkeit zum Chronischen Fatigue Syndrom (CFS/ME) deutlich. Auch bei CFS beobachtet man eine virale Erkrankung (meist EBV) als Auslöser der Fatigue Symptomatik.

Was ist nun Fatigue?

Umgangssprachlich steht der Begriff Erschöpfung für einen Zustand körperlicher oder / und seelischer Art, der mit müde, ausgelaugt oder kraftlos sein beschrieben wird.

Davon unterscheidet sich jedoch eine Form von Müdigkeit und Erschöpfung, die sich vom normalen Maß deutlich unterscheidet. Diese besonders ausgeprägte Form wird in der medizinischen Fachsprache als Fatigue bezeichnet. Eine solche Ermüdung von medizinischem Krankheitswert ist gekennzeichnet durch eine außerordentliche Müdigkeit, mangelnde Energiereserven oder ein massiv erhöhtes Ruhebedürfnis, das auch durch Schlaf nicht abgemildert werden kann und das absolut unverhältnismäßig zu vorangegangenen Aktivitäten ist.

CFS Patienten haben oft eine Odyssee von Arztbesuchen absolviert, um dieser über das normale Maß einer Ermüdung hinausgehende Phänomen der tiefgreifenden und durch Erholung nicht beeinflussbaren Erschöpfung auf den Grund zu gehen. Hier befinden sie sich sofort in einem tautologischen Teufelskreis, wenn sie einem Arzt begegnen, der dieses Krankheitsbild nicht kennt oder sogar vorurteilsbelastet daran „nicht glaubt“, dass es das gibt.

Leider setzen aus Unkenntnis der Erkrankung viele Kollegen hierzulande das Chronic Fatigue Syndrome weitgehend mit einer Neurasthenie ICD10, F48.0, einem depressiven Syndrom F 32.1 oder einer „Somatisierungsstörung“ oder „somatoforme Schmerzstörung“ gleich­. Hier setze ich nun große Erwartung darauf, dass mit der Erkenntnis, dass nach Corona auch Fatigue auftritt, die Erkrankung CFS ernster genommen wird. Erste Forschungsgelder sind schon bewilligt worden. Wir haben mit unserem Biomarker Forschungsprojekt schon erste Schritte unternommen, eine Diagnostik zu entwickeln, die Fatigue von rein psychischer Erschöpfung abgrenzen hilft ( CFS Biomarker Forschungsprojekt).

Auch das renommierte US Institut „National Academy of Medicine“ kommt mit der speziell zu diesem Thema eingesetzten Expertengruppe zu dem Schluss, dass Missverständnisse und Ungläubigkeit in der medizinischen Gemeinschaft dazu führen, dass 84% bis 91% der Patienten nicht diagnostiziert werden und die Patienten „Behandlungsstrategien unterzogen werden, die ihre Symptome verschlimmern (National Institut of Medicine 2015).

Insofern ähnelt das Krankheitsbild mit seinen Fehlinterpretationen dem Krankheitsbild der multiplen Sklerose (MS). Diese Patienten wurden in den 50er Jahren auch als Hysteriform oder als pschisch krank eingeschätzt, bis durch die Entwicklung der Computertomographie und der Laborerkenntnisse aus dem Liquor die charakteristischen Störungen identifiziert werden konnten. In diesem Stadium befindet sich die Erkrankung CFS, mittlerweile gibt es aber Untersuchungs­befunde, die eindeutig eine zugrunde liegende somatische Störung identifizieren.

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